Fünf häufige Fehler in Kälteanlagen
In meiner Arbeit als Kältetechniker sind mir einige Fehler aufgefallen, die mal mehr und mal weniger häufig auftreten. Deshalb habe ich die häufigsten Ursachen hier nach ihrer Relevanz zusammengefasst. Ein analytisches Vorgehen hilft dabei, bei der Fehlersuche schnell erfolgreich zu sein. Besonders systematische Fehler können durch geeignete Messmittel leicht identifiziert werden.
Leider lassen sich nicht alle Fehler einfach beheben, sodass in diesen Fällen ein Fachmann die Reparatur übernehmen muss. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es vorteilhaft ist, den Defekt bereits im Vorfeld zu kennen. So lassen sich zeitintensive Kosten bei der Fehlerdiagnose durch den Techniker einsparen. Zudem wird man Ihnen keine unnötigen Reparaturen „aufschwatzen“ können, wenn Sie den Fehler an der Kühlanlage bereits kennen.
Fehler Nr. 1: Kältemittelmangel
Einer der häufigsten Gründe für eine unzureichende Kühlleistung ist Kältemittelmangel. Dieser wird meist durch undichte Stellen im System verursacht. Die Anzeichen dafür sind oft eindeutig:
Die Kühlleistung lässt spürbar nach.
Die Anlage läuft im Dauerbetrieb, erreicht aber nicht die gewünschte Zieltemperatur.
Es bildet sich Eis an den Leitungen oder direkt am Verdampfer.
Es zeigt sich ein ungewöhnlich niedriger Druck auf der Nieder- oder Hochdruckseite.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dies zu überprüfen. Eine einfache optische Methode ist die Verwendung von Seifenwasser (oder speziellem Lecksuchspray), mit dem potenzielle Leckstellen eingesprüht werden. Falls die Anlage noch unter Druck steht, bilden sich an der undichten Stelle Seifenblasen – wie im Bild zu sehen. In diesem Fall war die Schraubverbindung die Ursache für das Leck.
Eine weitere Möglichkeit ist das Messen. Größere Anlagen verfügen oftmals über Manometer – eines auf der Niederdruckseite (Saugseite) und eines auf der Hochdruckseite (Druckseite). Diese Art der Fehlerdiagnose ist für einen Laien jedoch schwer zu beurteilen, kann aber eventuell telefonisch mit einem Fachmann abgeklärt werden.
Ein Lecksuchgerät bietet eine zusätzliche Option, um Undichtigkeiten ausfindig zu machen – dies setzt jedoch voraus, dass man ein solches Gerät besitzt. Bei einer Schraubverbindung (Bördelverbindung) lassen sich die Überwurfmuttern häufig einfach nachziehen. Handelt es sich hingegen um ein Loch in der Kupferleitung (z. B. durchgescheuert durch Vibrationen) oder ein Leck an einer Lötstelle, muss das Rohr ausgetauscht oder die Stelle fachgerecht nachgelötet werden.
In jedem Fall muss ein Fachbetrieb hinzugezogen werden, da das Kältemittel fachgerecht abgesaugt und wieder neu befüllt werden muss.
Fehler Nr. 2: Verunreinigte Kondensatoren
Der Kondensator (auch Verflüssiger genannt) ist der Wärmetauscher, der im Betrieb Wärme abgibt und somit warm wird (siehe Bild). Das vom Verdichter kommende, gasförmige (überhitzte) Kältemittel strömt in den Kondensator und durchläuft dort drei Phasen: die Enthitzung, die Verflüssigung und die Unterkühlung.
Dieser Ablauf ist charakteristisch für Anlagen, die im subkritischen Bereich arbeiten. Es gibt jedoch auch Kältemittel, die im transkritischen Bereich betrieben werden und in Zukunft vermutlich stark an Relevanz gewinnen werden. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist R744, besser bekannt als Kohlendioxid (CO2). Soll an dieser Stelle, aber nicht weiter vertieft werden.
Der Kondensator ist eine zentrale Komponente des Systems, die die Wärme aus dem Kältemittel an die Umgebung abgibt. Wenn die Lamellen des Kondensators durch Staub, Schmutz oder Laub verstopft sind, kann die Wärme nicht mehr effizient abgeführt werden. Zudem sind die empfindlichen Lamellen an luftdurchströmten Wärmetauschern oft verbogen.
Beides führt zu einem erhöhten Druck im System und einer geringeren Kühlleistung – bis hin zum kompletten Ausfall der Anlage durch eine Hochdruckstörung. Aufgrund der hohen Umgebungstemperaturen treten diese Probleme üblicherweise vermehrt im Sommer auf.
Was Sie tun können: Reinigen Sie die Kondensatorlamellen regelmäßig, um eine optimale Leistung zu gewährleisten. Achten Sie dabei darauf, die Lamellen nicht zu verbiegen. Falls diese bereits verbogen sind, können Sie sie mit einem speziellen Lamellenkamm vorsichtig wieder gerade bürsten.
Fehler Nr. 3: Vereister Verdampfer
Der Verdampfer ist die Komponente einer Kälteanlage, welche die Wärme aus der Umgebung aufnimmt. Im Verdampfer verdampft das Kältemittel – es wechselt also seinen Aggregatzustand von flüssig zu dampfförmig. Durch diesen Phasenwechsel kann eine große Menge an Wärmeenergie aus der Umgebung absorbiert werden.
Es ist völlig normal, dass sich gerade im Tiefkühlbereich sehr schnell Reif auf der Verdampferoberfläche bildet. Dieser Reif kann rasch zu einer dicken Eisschicht anwachsen, weshalb in regelmäßigen Abständen ein automatischer Abtauvorgang gestartet wird.
Sind jedoch die Abtauzeiten verstellt oder wird die Kühltruhe häufig geöffnet (wodurch warme, feuchte Luft – etwa beim Kochen – hineinströmt), beschleunigt dies die Eisbildung massiv. In solchen Fällen ist oft eine manuelle Abtauung notwendig, da die reguläre Abtauleistung nicht mehr ausreicht.
Wichtig: Schalten Sie die Anlage hierfür unbedingt komplett ab! Die Abtauung mit heißem Wasser funktioniert sehr gut und beschleunigt den Prozess. Achten Sie dabei jedoch penibel darauf, die Elektronik vor Feuchtigkeit und sich selbst vor einem Stromschlag zu schützen
Fehler Nr. 4: Elektrische Probleme
Kälteanlagen sind komplex und enthalten viele elektrische Komponenten. Häufige Ursachen für elektrische Störungen sind:
Schlechte Verbindungen oder lose Kabel.
Durchgebrannte Sicherungen oder defekte Schütze (Relais).
Defekte Sensoren (z. B. Temperaturfühler) und Aktoren.
Im Rahmen einer fachgerechten Wartung gehört es zum Standard, alle elektrischen Anschlussklemmen nachzuziehen, um Wackelkontakte zu vermeiden. Sofern für die Kühlanlage ein Schaltplan vorhanden ist, kann der Strompfad gezielt mit einem Spannungsmessgerät verfolgt werden. Auf diese Weise lässt sich meist sehr schnell lokalisieren, an welcher Stelle der Stromfluss unterbrochen ist.
Defekte Sicherungen und Relais müssen gegen neue Bauteile ausgetauscht werden. Meine Empfehlung an dieser Stelle ist ganz klar: Wer keine fachliche Ausbildung für elektrische Arbeiten hat, sollte unbedingt die Finger davon lassen, um sich selbst und andere zu schützen. Elektrischer Strom ist lebensgefährlich!
Wenn Sensoren defekt sind, führt dies zu einem fehlerhaften Regelverhalten der Anlage. Die Ist-Werte der Temperaturen lassen sich meist direkt am Regler auslesen und sollten mit einem externen Thermometer abgeglichen werden. Alternativ kann man Sensoren abklemmen, den elektrischen Widerstand messen und diesen mit den Kennlinien der Herstellerangaben vergleichen.
Ein defekter Aktor, wie zum Beispiel ein Magnetventil, lässt sich oft durch ein deutliches „Klicken“ beim Auf- und Abziehen der Spule prüfen. Vorsicht: Wenn die Spule im eingeschalteten Zustand zu lange ohne den metallischen Kern (den Anker) betrieben wird, überhitzt sie schnell bis zur Zerstörung (aufgrund des fehlenden induktiven Widerstands).
Häufig fallen auch die Lüftermotoren am Verdampfer oder Verflüssiger aus und müssen ausgetauscht werden.
Fehler Nr. 5: Verstopfte Filtertrockner
Der Filtertrockner schützt das System vor Verunreinigungen und Feuchtigkeit. Wenn er verstopft ist, wird der Kältemittelfluss blockiert, was zu einer geringeren Kühlleistung und einem deutlich höheren Energieverbrauch führt.
Eine Blockade des Filtertrockners durch Verschmutzung lässt sich leicht daran erkennen, dass sich unmittelbar nach dem Filtertrockner Reif bildet. Auch ein starker Temperaturunterschied zwischen dem Eintritt und dem Austritt des Filters ist ein sicheres Anzeichen für eine Verstopfung.
Was Sie tun können: Ein verstopfter Filtertrockner kann nicht gereinigt, sondern muss zwingend von einem Kältetechniker ausgetauscht werden. Idealerweise erfolgt dieser Austausch als vorbeugende Maßnahme im Rahmen einer regelmäßigen Wartung, um Systemstörungen gar nicht erst entstehen zu lassen.
Zusammenfassung und Fazit
Viele der häufigsten Fehler in Kälteanlagen können durch regelmäßige Wartung und frühzeitiges Erkennen der Symptome vermieden werden. Eine saubere Anlage, die frei von Lecks und Schmutz ist, arbeitet nicht nur effizienter, sondern hat auch eine deutlich längere Lebensdauer.
Investieren Sie in eine professionelle Wartung, um die Leistung Ihrer Kälteanlage zu sichern und unerwartete Ausfälle zu vermeiden.
Haben Sie schon einmal einen dieser Fehler erlebt? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!
Fünf häufige Fehler in Kälteanlagen Weiterlesen »
Fehlerdiagnose